"Ich habe die Sicherheit, aber mir fehlt der Sinn."
Das hat mir vor kurzem eine Frau in einem Kennenlerngespräch gesagt. Ganz ruhig, fast beiläufig, so wie man eine Tatsache feststellt und keine Klage. Ich höre diesen Satz öfter, als man denken würde. Fast immer von Frauen, die auf dem Papier alles richtig gemacht haben: guter Job, gute Position, ein Lebenslauf, der auf LinkedIn nach Aufstieg aussieht.
Und trotzdem bleibt das Gefühl, dass etwas fehlt. Wegargumentieren lässt es sich nicht.
Der Moment, an dem es zum ersten Mal spürbar wird
Bei vielen fängt es an einem ganz gewöhnlichen Sonntagabend an.
Du sitzt auf dem Sofa, eigentlich ist noch ein ganzer Abend Zeit. Trotzdem schleicht sich das Montagmorgen-Gefühl schon viel zu früh ein. Ein Ziehen im Hintergrund, das du zu ignorieren versuchst, weil ja eigentlich alles stimmt.
Vielleicht kennst du das. Vielleicht hast du diesen Moment schon oft gehabt und nie darüber gesprochen, weil er sich so schwer erklären lässt. Wie erklärt man jemandem, dass man unzufrieden ist mit etwas, für das andere einen beneiden?
Das macht diesen Moment so schwer zu fassen. Es gibt keinen Anlass, den man vorzeigen könnte. Keine Kündigung, kein Streit, kein Ereignis. Nur ein Sonntagabend, der sich falsch anfühlt.
Warum Sicherheit sich nicht von allein in Sinn verwandelt
Niemand warnt dich davor, dass ein sicherer Job auch etwas kostet, und zwar Zeit. Die Zeit, die vergeht, während du wartest, dass sich diese Sicherheit irgendwann von selbst in etwas verwandelt, das sich nach mehr anfühlt.
Das passiert meistens nicht von allein.
Ein sicherer Job schützt vor vielem. Vor der Miete, die nicht bezahlt wird. Vor der Frage, ob am Monatsende genug übrig bleibt. Das ist ehrlich viel wert, das will ich gar nicht kleinreden.
Die Frage, ob das hier eigentlich das war, was du wolltest, bleibt trotzdem.
Oft ist das Warten das eigentliche Problem, mehr als der Job selbst. Das stille Ausharren, weil man ja eigentlich nichts vorzuweisen hat, worüber man sich beschweren dürfte. Bei Kundinnen, mit denen ich gearbeitet habe, ist es auffällig oft das eigene Durchhaltevermögen, das am längsten in einer Situation hält, die eigentlich schon lange nicht mehr passt. Ausgerechnet die Fähigkeit, die beruflich so weit gebracht hat.
Muss ich alles hinschmeißen, um weiterzukommen?
Diese Frage höre ich fast in jedem Kennenlerngespräch. Die Antwort darauf ist meistens nein.
Die meisten Veränderungen, die ich begleite, beginnen mit einem einzelnen, sehr konkreten nächsten Schritt, während die Sicherheit erstmal bleibt. Ein Gespräch. Eine Bewerbung. Eine einzelne neue Gewohnheit. Und wenn du merkst, dass du lieber noch eine Liste schreibst, als diesen Schritt zu gehen: Warum du dich vorbereitest, statt anzufangen.
Vielleicht ist die Frage, die wirklich weiterhilft, ohnehin eine andere.
Die Frage, die weiterhilft, wenn "Entweder-Oder" nicht mehr reicht
Wir denken bei diesem Thema fast automatisch in einem Entweder-Oder. Entweder ich bleibe sicher, oder ich finde Sinn. Als wäre das eine zwangsläufig der Feind des anderen.
Das stimmt so nicht. Spannender ist die Frage: Wie viel Sicherheit brauchst du eigentlich wirklich, um den nächsten Schritt zu gehen?
Diese Frage lässt sich tatsächlich beantworten, mit einer Zahl, einem Zeitraum, einem finanziellen Puffer. Und meistens fällt die Antwort kleiner aus, als man dachte.
Was sich wirklich verändert, wenn beides zusammenfindet
Bei den meisten Frauen, mit denen ich arbeite, verändert sich zuerst die Übersicht über den nächsten Schritt, lange bevor irgendein großer Umbruch passiert.
Vorher: Die Sicherheit ist da, der Sinn fehlt. Der Sonntagabend fängt gefühlt schon am Nachmittag an.
Nachher: Da ist ein klarer nächster Schritt, hinter dem du wirklich stehst, und das Gefühl, ihn selbst gewählt zu haben.
Den Unterschied macht, ob du den nächsten, machbaren Schritt überhaupt sehen kannst.
Wenn du gerade selbst spürst, dass etwas nicht mehr passt
Wenn dir das, was du bis hierhin gelesen hast, bekannt vorkommt, will ich dir nicht sagen, was du jetzt tun sollst. Ich weiß es nicht, ohne deine Situation zu kennen.
Du musst dich noch nicht entschieden haben, um herauszufinden, was für dich stimmt. Im Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam auf deine Situation. Ob eine Zusammenarbeit für dich passt, entscheidest du danach.
