„Oh... das ist aber schade.“
Mehr hat mein Chef nicht gesagt, als ich gekündigt habe. Kein Vorwurf. Keine Diskussion. Nur dieser eine Satz.
Dieser Satz hat mir die Kündigung so schwer gemacht. Wäre er unfair gewesen, hätte ich mich leichter gegen ihn stellen können. Aber er kam von Herzen. Mein Arbeitgeber war gut, und der Beruf passte trotzdem nicht mehr zu mir. Beides kann gleichzeitig wahr sein.
Bei Frauen, die vor einer beruflichen Entscheidung stehen, steht am Anfang fast immer die Sorge, was dieser Schritt bei anderen auslöst.
Wovor du eigentlich mehr Angst hast
Die meisten Frauen, mit denen ich arbeite, sagen mir zuerst: „Ich habe Angst, dass ich es bereue, wenn ich wechsle.“ Frage ich dann: „Und was, wenn du in einem Jahr noch hier sitzt?“, wird es still.
Diese zweite Angst ist meistens die größere. Sie wird nur seltener ausgesprochen, weil Nichtstun sich sicherer anfühlt als eine aktive Entscheidung. Dabei ist Stillstand genauso ein Risiko. Nur eins, das du gerade eingehst, ohne es zu merken. Wie sich dieser Stillstand gern als gründliche Vorbereitung tarnt, liest du in Warum du dich vorbereitest, statt anzufangen.
Was deine Angst schützen will
Wenn eine Kundin mir von ihrer Angst erzählt, frage ich: Was möchte diese Angst eigentlich schützen?
Angst hat nämlich eine fiese Angewohnheit: Sie klingt wie eine Tatsache. „Das schaffst du nicht.“ „Du bist nicht bereit.“ „Das wird schiefgehen.“ Dahinter steckt eine Stimme, die dich schützen will und dich dafür lieber da hält, wo du bist. Frag dich beim nächsten Mal: Wessen Stimme ist das eigentlich? Seit wann glaube ich das?
Wenn du verstehst, wovor deine Angst dich bewahren will, verändert sich ihr Platz. Sie wird zu einem Hinweis darauf, was dir gerade wichtig ist.
Was du eigentlich zu verlieren glaubst
Was dich zurückhält, ist meistens die Vorstellung, dabei Sicherheit zu verlieren, Anerkennung, das Bild, das andere von dir haben.
Viele Frauen haben Jahre in ihre Ausbildung, ihr Studium, ihre Karriere investiert. Veränderung fühlt sich dann manchmal an, als würden all diese Jahre plötzlich nichts mehr zählen. Dabei bleibt die Erfahrung. Nur der Weg darf sich verändern.
Warum das Vertraute nicht automatisch das Richtige ist
Bei McDonald's weißt du genau, wie der Burger schmeckt. Egal in welcher Stadt. Das gibt Sicherheit. Aber du verpasst vielleicht das kleine Restaurant um die Ecke, das dir viel besser schmecken würde.
Mit unserem Berufsleben machen wir es oft genauso. Wir wählen oft das Vertraute. Ob es wirklich das Beste ist, fragen wir seltener.
Die Angst geht meistens erst unterwegs
Fast jede Frau, die einen wichtigen beruflichen Schritt gegangen ist, hatte vorher Angst. Sie hatten genauso viel Angst wie alle anderen. Sie sind trotzdem den nächsten Schritt gegangen.
Mut heißt, mit der Angst im Gepäck trotzdem Schritt für Schritt weiterzugehen. Und die Angst? Die verschwindet meistens erst, während du den Schritt tust, den du dir vorher gar nicht zugetraut hast.
Deine Angst einordnen, zu zweit
Steckst du gerade zwischen dem, was vertraut ist, und dem, was sich richtiger anfühlen könnte? In einem 30-minütigen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, wovor deine Angst dich schützen will und ob dieser Schutz gerade noch gebraucht wird. Danach entscheidest du, ob du weitergehen willst.
